Praktikum im Deutschen Bundestag

09.04.2019

von Luise Kopp, Klasse 9g, Arndt Gymnasium Dahlem, Berlin

Müsste ich mein Betriebspraktikum nachträglich in drei Worten beschreiben, würde ich mich für „überraschend“, „informativ“ und „spannend“ entscheiden.

Zu Beginn meines Praktikums, muss ich ehrlich sagen, war ich zunächst überrascht. Ich war davon ausgegangen, dass die Atmosphäre eher gezwungen wäre. Aber am ersten Morgen war es ganz anders als in meiner Vorstellung. Natürlich herrscht im Bundestag ein etwas förmlicher Umgang auf den Fluren, doch ganz entgegen meinen Erwartungen war der Umgang innerhalb des Büros von Frau Damerow locker und lustig, geradezu familiär. Frau Damerow, von den Mitarbeitern nur „die Chefin“ genannt, wurde zwar gesiezt, doch auch in ihrem Beisein war die Stimmung angenehm und weder gezwungen noch in irgendeiner Weise angespannt. Jetzt im Nachhinein finde ich es auch ziemlich verständlich, schließlich arbeiten im Bundestag Menschen wie überall auch und es wäre doch grausam, jeden Tag an einen Arbeitsplatz gehen zu müssen, an dem alles steif und formal wäre.

Wie oben genannt, fand ich das Praktikum auch sehr informativ. Weshalb das so war, ist einfach zu beantworten: Mir wurde viel erklärt und insgesamt erzählt. Auf den Wegen zu einem Ausschuss oder zur Mensa haben mir vor allem die Mitarbeiter etwas über die Geschichte der Verfassung erzählt, wie zum Beispiel über die Paulskirchenverfassung oder die Kunst in den Gebäuden. Toll fand ich ein Bild in dem Raum, in dem sich gerade die Ausstellung zum 100jährigen Frauenwahlrecht befand. Das Bild stellt, wie mir erklärt wurde, eine Wirbelsäule dar, die symbolisiert, Rückgrat zu zeigen. Dieses Bild hängt dort zum Gedenken an alle Abgeordneten, die aufgrund des Umstandes, dass sie Rückgrat, also Mut, gezeigt haben, zu Opfern des Nationalsozialismus ge-worden sind.

Schließlich möchte ich meine dritte Beschreibung („spannend“) erklären. Allein die Tatsache, dass ich jeden Tag den Deutschen Bundestag betreten durfte, war sehr beeindruckend. Ich war zweimal im Plenum des Bundestages und fand beide Male das Diskussionsthema aufregend. Aber auch der Ablauf war spannend. Persönlichkeiten wie Herr Schäuble, die man eigentlich nur aus dem Fernsehen kennt, konnte ich live sehen und hören. Ich habe mitbekommen, wie eine Fragerunde der Abgeordneten im Bundestag funktioniert, und gelernt, was für Funktionen einzelne Ämter im Deutschen Bundestag haben.

Abschließend lässt sich sagen, dass ich in dieser Zeit viel gelernt habe. Und zwar auf zwei unterschiedliche Arten: Zum einen das Offensichtliche, also die Fakten, die ich gerade aufgezählt habe. Zum anderen habe ich Dinge für‘s Leben gelernt. Wie zum Beispiel mehr Selbständigkeit, Umgang mit Autoritäten und insgesamt das Einfügen in ein mir unbekanntes soziale Gefüge.

Trotz meiner Begeisterung über dieses Praktikum möchte ich den Beruf des Politikers bzw. Bundestagsabgeordneten später wahrscheinlich eher nicht ausüben. Die Ungewissheit über die Langfristigkeit der Tätigkeit als Abgeordneter schreckt mich ab. Wird man nicht wiedergewählt, muss man sich einen anderen Beruf suchen. Außerdem würde es mir schwer fallen, zu jeder Sitzungswo-che weg von zu Hause sein zu müssen, zumindest wenn man außerhalb von Berlin lebt. Ich hätte später gerne eine Familie, und dies mit dem Beruf als Abgeordnete unter einen Hut zu bringen, ist nicht einfach. Umso beeindruckter bin ich davon, dass die Abgeordneten solche Nachteile in Kauf nehmen, um für uns alle Politik zu machen.

Insgesamt bin ich sehr zufrieden mit den zweieinhalb Wochen Praktikum im Deutschen Bundestag.