Bundestagsrede Nr. 7

27.06.2019

Nationale Tourismusstrategie

 

Sehr geehrte Frau Präsidentin! Verehrte Kolleginnen und Kollegen!

Erstmals debattieren wir im Deutschen Bundestag über eine Nationale Tourismusstrategie. Das ist ein großer Schritt, denn Urlauber und Geschäftsreisende bilden die Lebensgrundlage vieler Menschen in touristischen Berufen. Mein herzlicher Dank gilt der Bundesregierung und hier insbesondere Herrn Staatssekretär Thomas Bareiß, der immer wieder das Gespräch zwischen den beteiligten Ressorts, den Mitgliedern des Tourismusausschusses im Bundestag und den Tourismusverbänden gesucht hat.

Das vorliegende Eckpunktepapier zeigt, dass Tourismus eine Querschnittaufgabe ist. Zahlreiche Gesetze, die wir debattieren und beschließen, haben Einfluss auf die Entwicklung des Tourismus.

Auch deshalb investieren wir in die Verkehrsinfrastruktur, in den Ausbau des schnellen Internets, in die Digitalisierung unserer Schulen und die Ansiedlung von Landärzten. Ein Urlaubsziel ist umso attraktiver, wenn die öffentliche Daseinsvorsorge funktioniert. Wir haben uns im Koalitionsvertrag das Ziel gesetzt, überall in Deutschland gleichwertige Lebensverhältnisse zu ermöglichen. Gerade in ländlichen und strukturschwachen Regionen kann der Tourismus Arbeitsplätze und Lebensperspektiven zu schaffen.

Gerade in der Tourismusbranche suchen viele Unternehmen händeringend Personal. Mit dem Fachkräfteeinwanderungsgesetz setzen wir auf die Qualifizierung von Arbeitskräften in Deutschland und erleichtern die Zuwanderung von Arbeitskräften aus dem europäischen und außereuropäischen Ausland bei entsprechender Qualifikation. Gerade in der touristischen Wirtschaft gibt es saisonbedingte Spitzenzeiten, die nicht
mit starren Arbeitszeitmodellen zu bewältigen sind. Wir als CDU/CSU-Fraktion treten für eine Flexibilisierung der Arbeitszeiten ein und wären hier sehr gern zu Lösungen gekommen. Leider wollte unser Koalitionspartner dem nicht folgen. Wir werden dieses Ziel aber weiterhin verfolgen.

Die Nationale Tourismusstrategie dient auch dazu, dass Deutschland mit der globalen Entwicklung Schritt halten kann. 20 Prozent der Übernachtungen wurden 2018 durch ausländische Gäste gebucht. Auch wenn der Incoming-Tourismus seit Jahren wächst - hier liegt noch Potenzial.

Wir haben deshalb die Bundesmittel für die Deutsche Zentrale für Tourismus verstetigt und im Bundeshaushalt 2019 noch einmal um 2 Millionen Euro erhöht. Die DZT hat die Aufgabe, Deutschland als Reiseland international zu vermarkten. Sie berät uns und auch die deutsche Tourismuswirtschaft darüber hinaus über internationale Trends im Tourismusmarketing. Das macht die DZT mit großem Erfolg und auch dafür möchte ich mich an dieser Stelle herzlich bedanken.


Liebe Kolleginnen und Kollegen,

die Attraktivität des Tourismusstandortes Deutschland hängt ganz wesentlich davon ab, dass wir weltoffen und gastfreundlich sind. Daher treten wir Fremdenfeindlichkeit ebenso entschieden entgegen wie Protektionismus und Abschottung.

Wir erwarten umgekehrt, dass auch andere Länder uns gastfreundlich empfangen. Im Jahr 2018 gaben die Deutschen 80 Millionen Euro für Auslandsreisen aus. Immerhin
11 Millionen Reisen wurden in Entwicklungs- und Schwellenländer unternommen. Dort sorgen sie für hunderttausende Arbeitsplätze und damit für Lebensperspektiven vor Ort.

Ich danke unserem Entwicklungsminister Gerhard Müller, dass er sich hier ganz stark für Nachhaltigkeit und klimaneutralen Tourismus einsetzt. Auch dabei wird der Querschnittcharakter des Tourismus deutlich. Wir wollen Reisen fördern, aber unser Klima schonen. Deshalb bin ich sehr dankbar für den ins Leben gerufenen Branchendialog „Tourismus und nachhaltige Entwicklung“, die wir ebenfalls in der Tourismusstrategie aufgreifen.

Ich freue mich auf den weiteren Dialog mit allen Beteiligten, dessen Ergebnisse wir
dann in einen Aktionsplan einfließen lassen.

 

Ich danke Ihnen für Ihre Aufmerksamkeit!